Dipl.-Ing. Günther Diefenthal VDI

von der IHK zu Aachen öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Kraftfahrzeugschäden und -bewertung

Grüner Weg 103
D-52070 Aachen
Tel.: 0241/158015
Fax: 0241/158000

wichtige Tipps für den Gebrauchtwagenkauf

Die Überprüfung eines Gebrauchtwagens setzt Sachkenntnis und Erfahrung voraus. Um eventuelle Reparaturkosten abzuschätzen sind Kenntnsse über Ersatzteilpreise und Arbeitszeiten erforderlich. Im Zweifel empfehlen wir, das Fahrzeug einem Sachverständigen vorzuführen, da die hier zu entrichtende Gebühr in keinem Verhältnis zu den Kosten und dem Ärger steht, den man sich mit einem defekten bzw. mängelbehafteten Fahrzeug einhandelt.

Der Sachverständige kann auch nach dem schon erfolgten Kauf Ihre Mängel im Rahmen einer Beweissicherung festhalten, wenn sich z.B. herausstellt, daß das als unfallfrei verkaufte Fahrzeug doch schon einen reparierten Vorschaden hat oder der km-Stand manipuliert oder falsch angegeben wurde.

folgende Punkte sollten Sie beim Kauf auf jeden Fall beachten:

  • Vergleichen Sie die Fahrgestellnummer aus dem Kraftfahrzeugbrief mit der am Fahrzeug. Hier ist nicht das meist angenietete Typenschild maßgebend, sondern die in das Karosserieblech eingeschlagene Nummer.
  • Ist der Verkäufer auch Eigentümer des Fahrzeuges? Wieviel Vorbesitzer sind im Fahrzeugbrief eingetragen? Je mehr unterschiedliche Halter eingetragen sind, desto höher der Abzug.
  • Termin für Hauptuntersuchung (HU-§29) und Abgasuntersuchung (AU)? Lassen Sie sich ggfls. das Protokoll der letzten Hauptuntersuchung zeigen. Sind hier Mängel aufgeführt, überprüfen Sie ob diese zwischenzeitlich beseitigt wurden.
  • Lassen Sie sich das Wartungsheft vorlegen und überprüfen Sie, ob alle Inspektionen durchgeführt wurden. Sollte kein Wartungsheft vorhanden sein, lassen Sie sich für die durchgeführten Wartungen Rechnungen zeigen. Überprüfen Sie anhand der Rechnungen oder des Wartungsheftes die Übereinstimmung mit dem km-Stand.
    Abgewetzte Sitze, abgegriffene Lenkräder und deutlich abgenutzte Pedalgummis lassen Rückschlüsse auf die Laufleistung zu.
  • Unfallfreiheit sollte immer schriftlich festgehalten werden. Sollten reparierte Vorschäden angegeben werden, lassen Sie sich das Schadenbild genau beschreiben und fixieren dies ebenfalls schriftlich. Fragen Sie nach einer Reparaturrechnung oder einem Sachverständigengutachten über den Schaden.
  • Untersuchen Sie das Fahrzeug auf Rostbefall und Farbabweichungen in der Lackierung. Unterschiedliche Farbtöne weisen oft auf eine Reparatur hin, die auf einen eventuellen Unfallschaden schließen läßt.
  • Die Mindestprofiltiefe für Reifen beträgt bei Pkw 1,6 mm. Beim Kauf sollten Sie darauf achten, das eine Profiltiefe von 4-5 mm nicht unterschritten wird. Dies gilt insbesondere bei teuren Breitreifen.
    Einseitige Abnutzung deutet auf verstellte Achsgeometrie hin (eventuell Unfallschaden?).
    Auswaschungen werden oft von defekten Stoßdämpfern verursacht.
  • Ein frisch gesäuberter Motor hat wenig Aussagekraft. Undichtigkeiten lassen sich an verschmutzten Aggregaten leichter erkennen und deren Ursprung nachvollziehen.
    Nach einer längeren Probefahrt darf an der Unterseite des Motors bzw. des Getriebes kein Öl heraussickern bzw. heraustropfen.
    Lassen Sie den Motor laufen und öffnen Sie den Kühlerverschluß (nicht bei heissem Motor; - ACHTUNG - Verbrühungsgefahr). Zeigen sich hier aufsteigende Bläschen, ist möglicherweise die Zylinderkopfdichtung defekt (hohe Reparaturkosten).
    Ziehen Sie den Ölmeßstab heraus. Wassertropfen oder "milchiges" Öl weisen ebenfalls auf eine defekte Zylinderkopfdichtung oder Haarrisse im Motorblock bzw. Zylinderkopf hin.
  • Überprüfen Sie die Fahrzeugunterseite auf Rost und auf eventuelle Aufsetzspuren.
    Sind Stoßdämpfer, Getriebe, Motor und Achsantriebe ölfeucht? Geringe Ausschwitzungen sind unerheblich. Tropfenbildung an den Aggregaten raten zur Vorsicht.
  • Achten Sie bei einer Probefahrt auf einwandfreien Geradeauslauf und testen Sie die Funktion der Bremsen. Bei kräftigem Pedaldruck müssen alle Räder blockieren bzw. das ABS ansprechen. (Nachfolgeverkehr beachten !)
    Das Fahrzeug muß auch bei kleinen Lenkbewegungen direkt reagieren.
    Alle Gänge müssen sich leicht und ohne Kratzgeräusche einlegen lassen und dürfen nicht herausspringen.
    Testen Sie die Kupplung, indem Sie im 3. Gang aus geringer Geschwindigkeit Vollgas geben. Packt die Kupplung, treten Sie leicht das Kupplungspedal bis sie beginnt zu rutschen. Nach dem Loslassen des Pedals muß die Kupplung sofort wieder packen.
    Fahren Sie eine Strecke mit schlechter Oberfläche und achten Sie auf Knack- und Poltergeräusche.
  • Halten Sie unbedingt alle Angaben schriftlich in einem Kaufvertrag fest. Vordrucke hierfür erhalten Sie in den Geschäftsstellen der Automobilclubs und auch in vielen Gebrachtwagen-Sonderheften.

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